philanthropischer Verein zur aktiven Entwicklungshilfe im
Himalaja Königreich Bhutan



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Bruttosozialglück
 
 

Gross National Happiness (GNH) / Bruttosozialglück
Der 4. König Bhutans, S.M. Sigme Singye Wangchuck, Vater des neuen Königs S.M. Jigme Khesar Namgyel Wangchuk, hat dieses Konzept schon als ganz junger Monarch 1976 der erstaunten internationalen Öffentlichkeit vorgestellt. Seither ist es kontinuierlich insbesondere vom früheren Außen- , später Innenminister, seit 2008 erstem demokratisch gewählten Premierminister Jigmi Y. Thinley und dem Centre for Bhutan Studies ausgebaut und verfeinert worden.

Das Ziel des Staates ist demnach, die Voraussetzungen zu schaffen, die es jeder einzelnen Bhutanerin und jedem einzelnen Bhutaner ermöglichen, das eigene „Bruttosozialglückanzustreben und zu fördern; dieses hat Vorrang vor dem Ziel Steigerung des lediglich auf die Wirtschaft abstellenden „Bruttosozialprodukts“.

Die Bedeutung dieses durchaus nicht nur philosophischen Konzepts hat auch darin ihren Ausdruck gefunden, als eine „GNH-Commission“ als eine Art Super-Ministerium alle Ministerien der bhutanischen Regierung auf die Vereinbarkeit ihrer Aktionen, Maßnahmen, und Gesetzes-Entwürfe etc. mit GNH überprüft und entsprechende Veto-Rechte hat. Gerade in der aktuellen internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise ist dieses faszinierende Konzept zu einem „intellektuellen Exportschlager“ Bhutans geworden; es findet immer mehr Beachtung und Verwendung in Reden auch höchstrangiger Politiker und in internationalen Foren und Diskussionen; als Konterpunkt und Alternative zum goldenen Kalb und Fetisch „Wachstum“, dem Spiegelbild des grassierend gewachsenen Materialismus, als Ausdruck der steigenden Sehnsucht vieler materiell enttäuschter Menschen nach neuer Sinnhaftigkeit des Lebens über den Konsum hinaus.



Der von „Pro Bhutan“ nach Bhutan vermittelte Jung-Wissenschaftler Tobias Pfaff hat sich in 2008 ganze 6 Monate am „Centre for Bhutan Studies“ intensiv mit GNH befasst.

Verfasser: Tobias Pfaff
Artikel aus dem OHM-Journal in der Ausgabe SS 2009

Das Bruttosozialglück in Bhutan

Asiatischer Kleinstaat ist Vordenker in Sachen Nachhaltigkeit

Der Mensch lebt nicht vom Geld allein. Im asiatischen Bhutan hat man das begriffen und verfolgt ein Entwicklungskonzept mit materiellen und spirituellen Elementen. Tobias Pfaff, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ökonomische Bildung an der Universität Münster, hat sechs Monate am Centre for Bhutan Studies in Thimphu gearbeitet, um das Konzept von Gross National Happiness zu erforschen. In Zusammenhang mit der Glücksforschung von Prof. Karlheinz Ruckriegel hielt er im Wintersemester einen Gastvortrag in der Fakultät Betriebswirtschaft mit dem Titel „Gross National Happiness – Das Entwicklungskonzept von Bhutan“.

Die gesellschaftliche Wohlfahrt wird traditionell mit ökonomischen Größen wie dem Bruttoinlandsprodukt gemessen. In Wissenschaft und Politik tauchte jedoch immer wieder die Frage auf, ob die rein monetäre Messung alle Dimensionen der Wohlfahrt erfassen kann. Die französische Regierung beispielsweise beauftragte Anfang 2008 eine Kommission damit, neue Wohlfahrtsindikatoren zu entwickeln, die auch die Messung der Lebensqualität mit einbeziehen.

Alternative zum Bruttoinlandsprodukt

Eine der Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt ist das so genannte Bruttosozialglück (Gross National Happiness), das untrennbar mit dem Land Bhutan verbunden ist.

Bhutan ist ein kleines Königreich zwischen Tibet und Indien. Die Landschaft ist vom Himalaya-Gebirge geprägt. Bhutan war nie kolonialisiert und in seiner Entwicklung bis in die 1950er Jahre vom Rest der Welt abgeschnitten. Ackerbau und Viehzucht dienten als hauptsächliche Einkommensquelle, wobei die Menschen zumeist in kleinen Dörfern ohne jegliche Verwendung moderner Technologie und ohne nennenswerte Infrastruktur lebten.

Der vierte König wurde Ende der 1970er Jahre mit den Worten zitiert: „In Bhutan ist das Bruttosozialglück wichtiger als das Bruttosozialprodukt.“ Wie kam es zu dieser Sichtweise? Zum einen sind die Menschen traditionell stark mit der buddhistischen Philosophie verbunden: Der Mensch wird nicht unabhängig von Natur und anderen Lebewesen gesehen, sondern ganzheitlich. Zum anderen konnte man in anderen Ländern beobachten, dass moderner Fortschritt auch negative externe Effekte auf Bereiche wie Kultur und Umwelt haben kann, zum Beispiel im Nachbarland Nepal.

Der Begriff der Nachhaltigkeit erhielt im Westen in den 1970-er Jahren Einzug in die öffentliche Diskussion. Nach dem Ölpreisschock und der anschließenden globalen Wirtschaftskrise konzentrierte man sich jedoch wieder auf ökonomische Probleme, und die Diskussion verschwand von der Oberfläche. In Bhutan wurde der Gedanke jedoch weiter verfolgt und in konkrete Politik umgesetzt. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung wurden auch Bildung, Kultur, Gesundheit und Umweltschutz durch Projekte und Gesetze gezielt gefördert.

Im Kern der Entwicklungsphilosophie des Bruttosozialglücks geht es um das Gleichgewicht von ökonomischen und nicht-ökonomischen Zielen. Ökonomisches Wachstum ist dabei kein Zweck an sich, sondern ein Mittel, um wichtigere Ziele zu erreichen. Solch ein Ziel kann z.B. gemeinschaftliches Glück sein. Beeinflusst durch bhutanische Kultur und die buddhistische Philosophie sollte das Streben nach Bruttosozialglück in Bhutan jedoch vielmehr verstanden werden „als das Mandat des Staates zur Schaffung einer Umgebung, in der die Bürger geistige Ausgeglichenheit anstreben können“ (Übersetzung des Verfassers), wie es Kinley Dorji, Herausgeber der Zeitung „Kuensel“, beschreibt. Es geht also um einen Einklang von materieller und spiritueller Entwicklung. In der kürzlich verabschiedeten Verfassung heißt es: „Der Staat soll sich darum bemühen, diejenigen Bedingungen zu fördern, die das Streben nach Gross National Happiness ermöglichen“ (Übersetzung des Verfassers). An der Entwicklung von statistischen Indikatoren zur Information über diese Bedingungen wird momentan gearbeitet.

Tobias Pfaff

Weitere Beiträge von Tobias Pfaff:

Radiobeitrag:
» www.dw-world.de/dw/episode/0,,4548073,00.html

OECD Newsletter, Issue 3, pp. 6-8. 2008
Measuring Gross National Happiness in Bhutan, in:
» Measuring the Progress of Societies



Bestechende Sozialphilosophie des Königreichs Bhutan
Vortrag von Michael Rutland, Bhutanischer Honorarkonsul in Großbritannien Seminar über Bruttosozialglück, Salzburg, 30.01.2009 Aus dem Englischen von Reinhard Hübinger
Leicht redigiert von Harald N. Nestroy
» Artikel als PDF lesen

  Spezielle Berichte

Kurzvorstellung
des Vereins und seiner Projekte in Bhutan
» Kurzvorstellung als PDF

„Wiedererstehung der mittelalterlichen Krag-Brücke von Punakha im Königreich Bhutan
- ein brückentechnisch- kulturell einmaliges Jahrhundert-Projekt im Himalaja von „Pro Bhutan e.V.“, Lörrach (einschließlich Krönung des neuen Königs im Dzong von Punakha 01. 11.2008)“
» Artikel als PDF

Die Krönung von S.M. Jigme Khesar Namgyel Wangchuck,
5. König von Bhutan oder Druk Gyalpo (Drachen König) im Punakha Dzong am 1. November 2008
» Artikel als PDF

Einweihung des von unserem ersten Bhutan-Verein geplanten, finanzierten und gebauten Krankenhause in Punakha
» Bericht als PDF
Einweihung der Ausbildungsstätte und Hochzeit in Bhutan
» Bericht als PDF
Essay
"Bhutan, the Himalayan Kingdom, sandwiched between India and China" (nur in Englisch) von Botschafter a.D. Harald N. Nestroy, als Vortrag gehalten vor der "Royal Society for Asian Affairs"
in London
» Essay als PDF